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Contents: A White Heron
Translator's Essay [English]
Translator's Essay [German / PDF]
    Copyright © Federwelt
    Reprinted by permission.

Ein Schmuckreiher (A White Heron)

Sarah Orne Jewett
Translation: Almut Oetjen

I.

Eines Juniabends kurz vor acht Uhr waren die Wälder bereits von Schatten erfüllt, obgleich der leuchtende Sonnenuntergang noch immer matt zwischen den Baumstämmen hindurchschimmerte. Ein kleines Mädchen trieb seine Kuh heimwärts, die ihrem Verhalten nach ein schwerfälliges, langsames, unausstehliches Tier, aber trotz alledem eine geschätzte Gefährtin war. Sie entfernten sich vom westlichen Licht und drangen tief in die dunklen Wälder ein, doch ihre Füße waren mit dem Pfad vertraut, und es machte nichts, ob ihre Augen ihn sehen konnten oder nicht.

Den ganzen Sommer hindurch hatte es kaum einen Abend gegeben, an dem die alte Kuh wartend am Weidetor gestanden hatte; im Gegenteil war es ihr größtes Vergnügen, sich zwischen den hohen Heidelbeerbüschen zu verstecken, und obgleich sie eine laute Glocke trug, hatte sie die Entdeckung gemacht, dass, wenn sie still stand, diese nicht läuten würde. So musste Sylvia sie solange suchen, bis sie sie fand, und Kuh! Kuh! Rufen, ohne je ein Muh als Antwort zu erhalten, bis ihre kindliche Geduld beinahe erschöpft war. Wenn das Tier nicht so gute Milch und so viel davon gegeben hätte, wäre den Besitzern die Sache ganz anders erschienen. Außerdem hatte Sylvia alle Zeit, die es gab, und wenig Verwendung, damit etwas anzufangen. Bei gutem Wetter war es mitunter ein Trost, die Streiche der Kuh als intelligenten Versuch, Versteck zu spielen, anzusehen, und da das Kind keine Spielgefährten hatte, gab es sich diesem Vergnügen mit großer Begeisterung hin. Obwohl diese Jagd so lange gedauert hatte, dass das müde Tier ganz gegen seine Gewohnheit ein Zeichen gegeben hatte, wo es sich befand, hatte Sylvia nur gelacht, als sie am Rand des Sumpfes auf Mistress Molly stieß, und trieb sie liebevoll mit einem Zweig Birkenblätter heimwärts. Die alte Kuh war nicht geneigt weiterzuwandern, zum ersten Mal wandte sie sich sogar in die richtige Richtung, als sie die Weide verließen, und lief in gutem Tempo die Straße entlang. Sie wollte nun gemolken werden und hielt selten an, um zu grasen. Sylvia fragte sich, was ihre Großmutter sagen würde, weil sie so spät dran waren. Es war lange her, seit sie das Haus nachmittags um halb sechs verlassen hatte, aber jeder kannte die Schwierigkeit, diesen Gang kurz zu machen. Mrs. Tilley hatte die gehörnte Qual selbst zu viele Sommerabende gejagt, um jemanden wegen Trödelei zu tadeln, und war sehr dankbar, während sie wartete, dass sie jetzt Sylvia hatte, die ihr eine so wertvolle Hilfe war. Die gute Frau hatte den Verdacht, dass Sylvia bisweilen von sich aus trödelte; ein solches herumstreunendes Kind hatte es nicht seit Beginn der Welt gegeben! Jeder sagte, dass es eine gute Veränderung für ein kleines Mädchen war, das acht Jahre versucht hatte, in einer überfüllten Fabrikstadt aufzuwachsen, aber, soweit es nach Sylvia selbst ging, schien es, als wäre sie überhaupt nicht lebendig gewesen, bevor sie auf den Bauernhof kam, um dort zu leben. Oft dachte sie mit sehnsüchtigem Mitgefühl an die jämmerliche trockene Geranie, die einem Nachbarn in der Stadt gehörte.

,,'Angst vor Menschen'", sagte die alte Mrs. Tilley zu sich mit einem Lächeln, nachdem ihre Wahl aus der Kinderschar ihrer Tochter überraschend auf Sylvia gefallen war und sie zum Bauernhof zurückkehrte. ,,'Angst vor Menschen', haben sie gesagt! Ich schätze, damit hat sie an diesem alten Ort keine Sorgen!" Als sie an der Tür des einsamen Hauses ankamen und anhielten um aufzuschließen und die Katze laut schnurrend herbeilief und sich an ihr rieb, ein verlassenes Kätzchen in der Tat, aber dick von den jungen Rotkehlchen, flüsterte Sylvia, dass dies ein schöner Ort zum Leben war und sie niemals mehr nach Hause gehen wolle.

Die Gefährten folgten dem schattigen Waldweg, die Kuh machte langsame Schritte und das Kind sehr schnelle. Die Kuh hielt lange an einem Bach an, um zu trinken, als ob die Weide kein halber Sumpf wäre, und Sylvia stand still und wartete, ließ ihre bloßen Füße in dem seichten Wasser abkühlen, während die großen Kiefernspanner sie sanft berührten. Sie watete weiter durch den Bach, als die Kuh sich entfernte, und lauschte mit einem vor Freude schnell schlagenden Herzen den Drosseln. In den großen Ästen oben bewegte sich etwas. Sie waren voller kleiner Vögel und Tiere, die hellwach zu sein schienen und sich in ihrer Welt bewegten oder in schläfrigem Gezwitscher einander Gute Nacht sagten. Sylvia war müde, als sie weiterging. Es war jedoch nicht mehr weit bis zum Haus, und die Luft war mild und süß. Sie war nicht oft so spät wie jetzt in den Wäldern, und es gab ihr das Gefühl, als sei sie ein Teil der grauen Schatten und der sich bewegenden Blätter. Sie dachte gerade daran, wie lange es her schien, seit sie zum ersten Mal vor einem Jahr auf den Bauernhof kam, und fragte sich, ob in der lärmenden Stadt alles so weiterging wie damals, als sie noch dort war; der Gedanke an den großen rotgesichtigen Jungen, der sie immer gejagt und erschreckt hatte, ließ sie den Pfad entlang eilen, um den Schatten der Bäume zu entfliehen.

Plötzlich wird dieses kleine Waldmädchen von Schrecken gepackt, als es nicht weit entfernt einen klaren Pfiff hört. Nicht den Pfiff eines Vogels, der eine Art Freundlichkeit hätte, sondern ein Jungenpfiff, bestimmt und ein wenig aggressiv. Sylvia überließ die Kuh einem unbestimmten Schicksal und ging vorsichtig in die Büsche, aber sie war eine Sekunde zu langsam. Der Feind hatte sie entdeckt und rief in einem sehr fröhlichen, überredenden Ton, ,,Hallo, kleines Mädchen, wie weit ist es bis zur Straße?", und die zitternde Sylvia antwortete beinahe unhörbar, ,,Ein ziemliches Stück."

Sie wagte nicht, den großen jungen Mann, der ein Gewehr über seiner Schulter trug, unerschrocken anzusehen, aber sie kam aus dem Gebüsch heraus und folgte wieder der Kuh, während er neben ihr herging.

,,Ich habe ein paar Vögel gejagt", sagte der Fremde freundlich, ,,und ich habe mich verlaufen und brauche dringend einen Freund. Hab keine Angst", fügte er ritterlich hinzu. ,,Sprich laut und deutlich und sage mir deinen Namen und ob du denkst, ich könnte die Nacht in eurem Haus verbringen, um morgen in der Früh auf die Jagd zu ziehen."

Sylvia war erschrockener als zuvor. Wäre ihre Großmutter nicht der Ansicht, sie sei zu tadeln? Aber wer hätte einen solchen Zwischenfall wie diesen vorhersehen können? Es schien nicht ihre Schuld zu sein, und sie ließ ihren Kopf hängen, als wäre dessen Stamm geknickt, schaffte es aber mit viel Mühe, als ihr Begleiter sie erneut nach ihrem Namen fragte, ,,Sylvy" zu antworten.

Mrs. Tilley stand im Eingang, als das Trio in Sicht kam. Die Kuh gab anstelle einer Erklärung ein lautes Muhen von sich.

,,Ja, du solltest lieber für dich selbst sprechen, du alte Plage! Wo hat sie sich diesmal verkrochen, Sylvy?" Aber Sylvia blieb ehrfürchtig still; sie wusste instinktiv, dass ihre Großmutter die Ernsthaftigkeit der Lage nicht verstand. Sie musste irrtümlich den Fremden für einen der Bauernjungen aus der Umgebung halten.

Der junge Mann stellte sein Gewehr neben der Tür ab und ließ eine schwere Jagdtasche daneben fallen; dann entbot er Mrs. Tilley einen guten Abend, wiederholte seine Wanderer-Geschichte und bat um eine Übernachtung.

,,Bringen Sie mich unter, wo Sie mögen", sagte er. ,,Ich muss ganz früh am Morgen los, vor Tagesanbruch; aber ich bin wirklich sehr hungrig. Vielleicht könnten Sie mir einfach etwas Milch verkaufen."

,,Du liebe Güte, ja", erwiderte die Gastgeberin, deren lang schlummernde Gastfreundlichkeit anscheinend leicht aufzuwecken war. ,,Es wär' vielleicht besser für dich, wenn du eine Meile oder so die Straße weitergehst, aber du bist eingeladen zu allem, was wir hab'n. Ich melk jetzt gleich, und du richtest dich häuslich ein. Du kannst auf Maishülsen oder Federn schlafen", bot sie gütig an. ,,Ich hab sie alle selbst aufgezogen. Gleich dahinten neben dem Sumpfgebiet gibt's gutes Grasland für Gänse. Komm rein und mach dem Herrn einen Teller fertig, Sylvy!" Und Sylvia kam sofort. Sie war froh, etwas zu tun zu haben, und sie war selbst hungrig.

Es war eine Überraschung, in dieser Wildnis Neuenglands eine solch saubere und bequeme kleine Behausung zu finden. Dem jungen Mann waren die Schrecken der primitivsten Haushaltsführung in der Umgebung und die trübselige Verwahrlosung des Teils der Gesellschaft bekannt, der nicht gegen Hühner als Gefährten rebellierte. Dies hier war ein aufs Beste geführter altmodischer Bauernhof, wenn auch in einem solch kleinen Stil, dass er wie eine Einsiedelei erschien. Eifrig hörte er den merkwürdigen Erzählungen der alten Frau zu, er beobachtete Sylvias blasses Gesicht und ihre leuchtenden grauen Augen mit stetig wachsender Begeisterung, und er bestand darauf, dass dies das beste Abendessen war, das er seit einem Monat gegessen hatte; danach saßen die neuen Freunde gemeinsam im Eingang, während der Mond aufging.

Bald würde die Beerenzeit kommen und Sylvia eine große Hilfe beim Pflücken sein. Die Kuh gab gut Milch, obgleich es eine Plage war, ihr auf der Spur zu bleiben, schwatzte die Gastgeberin freimütig und ergänzte umgehend, dass sie vier Kinder begraben hatte, so dass Sylvias Mutter und ein Sohn (der vielleicht tot war) in Kalifornien die einzigen Kinder waren, die ihr noch blieben. ,,Dan, mein Junge, is'n großer Jäger gewesen", erklärte sie traurig. ,,Mir hat's nie an Rebhühnern oder Grauhörnchen gefehlt, als er noch zu Haus gewesen is'. Er is'n guter Wandrer gewesen, schätz ich, und er hat kein Händchen fürs Briefeschreiben. Nun, ich tadle ihn nicht, ich hätt' mir die Welt auch angesehen, wenn ich 's gekonnt hätt'."

,,Sylvia schlägt nach ihm", fuhr die Großmutter nach einer Minute Pause liebevoll fort. ,,Es gibt keinen Fußbreit Boden, den sie nich' kennt, und die wilden Tiere sehn sie als ihresgleichen. Sie zähmt die Eichhörnchen, damit sie kommen und ihr aus der Hand fressen, und alle Arten von Vögeln. Letzten Winter hatte sie einen Eichelhäher zum Durchfüttern hier, und ich glaub, sie hätt' was von ihren eigenen Mahlzeiten abgeknapst, um ihnen genug geben zu können, wenn ich nicht aufgepasst hätt'. Außer Krähen, sag ich zu ihr, bin ich bereit, jedem zu helfen -- obwohl Dan eine von ihnen gezähmt hat, die scheinbar genauso klug gewesen is' wie 'n Mensch. Sie is' noch 'ne ganze Weile hier geblieben, nachdem er weggegangen is'. Dan und sein Vater, sie hab'n keine Schwierigkeiten miteinander gehabt, -- aber er hat seinen Kopf nie wieder hoch getragen, nachdem Dan ihn herausgefordert hat und weggegangen is'."

In seinem begierigen Interesse für etwas anderes bemerkte der Gast diesen Hinweis auf den Familienkummer nicht.

,,Sylvy weiß also alles über Vögel, oder?" rief er aus, als er sich nach dem kleinen Mädchen umsah, das sehr zurückhaltend und immer müder im Mondlicht saß. ,,Ich lege mir selbst eine Vogelsammlung zu. Seit ich ein Junge war, bin ich damit beschäftigt." (Mrs. Tilley lächelte.) ,,Es gibt zwei oder drei sehr seltene, die ich seit fünf Jahre jage. Sollten sie zu finden sein, möchte ich sie auf meinem eigenen Boden kriegen."

,,Sperrst du sie ein?" fragte Mrs. Tilley unsicher in Erwiderung auf diese begeisterte Verlautbarung.

,,Oh, nein, sie werden ausgestopft und konserviert, Aberdutzende davon", sagte der Ornithologe, ,,und ich habe jeden einzelnen selbst geschossen oder gefangen. Am Samstag hab ich drei Meilen weit von hier einen Blick auf einen Schmuckreiher erheischt, und ich bin ihm in diese Richtung gefolgt. In diesem Landstrich sind sie nie gesichtet worden. Es ist der kleine Schmuckreiher", er drehte sich wieder zu Sylvia um und hoffte zu entdecken, dass der seltene Vogel einer ihrer Bekannten wäre.

Doch Sylvia beobachtete eine Amerikanische Kröte auf dem schmalen Fußweg.

,,Du würdest einen Reiher erkennen, wenn du ihn siehst", fuhr der Fremde eifrig fort. ,,Ein seltsamer großer weißer Vogel mit weichem Gefieder und langen dünnen Beinen. Und er hätte vielleicht sein Nest im Wipfel eines hohen Baumes, es wäre aus Stöcken gemacht, ungefähr wie das Nest eines Habichts."

Sylvias Herz machte einen wilden Schlag; sie kannte diesen fremden weißen Vogel und hatte sich einmal ganz nah an ihn heran geschlichen, dort wo er stand, in dem leuchtenden grünen Sumpfgras, drüben auf der anderen Seite der Wälder. Es gab eine offene Stelle, wo der Sonnenschein immer merkwürdig gelb und heiß erschien, wo hohe, nickende Binsen wuchsen, und ihre Großmutter hatte sie gewarnt, sie könne in dem weichen, schwarzen Morast darunter versinken und niemand würde jemals mehr von ihr hören. Nicht weit entfernt waren die Salzsümpfe, und jenseits davon war das Meer, das Meer, auf das Sylvia neugierig war und von dem sie träumte, aber auf das sie nie geblickt hatte, obgleich seine große Stimme in stürmischen Nächten oft über dem Geräusch der Wälder zu hören war.

,,Ich kann mir nichts anderes vorstellen, das ich so gerne finden würde wie das Nest des Reihers", sagte der nette Fremde. ,,Ich würde demjenigen zehn Dollar geben, der es mir zeigen könnte", fügte er verzweifelt hinzu, ,,und ich werde meine ganzen Ferien mit der Suche danach verbringen, wenn es nötig ist. Vielleicht ist er nur gewandert oder von einem Raubvogel aus seinem Gebiet verjagt worden."

Mrs. Tilley widmete all dem eine überraschte Aufmerksamkeit, aber Sylvia beobachtete immer noch die Kröte, nicht ahnend, so wie sie es vielleicht zu einer ruhigeren Zeit getan hätte, dass das Tier in sein Loch unter der Türstufe gelangen wollte und dabei zu dieser Abendstunde von den ungewohnten Zuschauern gestört wurde. In dieser Nacht konnte alles Nachdenken keine Entscheidung bringen, wie viele ersehnte Geschenke von den so leichtfertig erwähnten zehn Dollar gekauft werden könnten.

Am nächsten Tag trieb sich der junge Sportsmann in den Wäldern herum, begleitet von Sylvia, die ihre anfängliche Furcht vor dem freundlichen Jungen verloren hatte, der sich als sehr nett und verständnisvoll erwies. Er erzählte ihr viele Dinge über die Vögel und was sie wussten und wo sie lebten und was sie miteinander machten. Und er gab ihr ein Klappmesser, das sie für einen so großen Schatz hielt, als wäre es ein desert island. Den ganzen Tag lang beunruhigte oder ängstigte er sie nicht einziges Mal, außer als er ein ahnungsloses singendes Tier von einem Ast herunterholte. Sylvia hätte ihn weit mehr ohne sein Gewehr gemocht; sie konnte nicht verstehen, warum er genau die Vögel tötete, die er so sehr zu mögen schien. Aber als der Tag zur Neige ging, beobachtete Sylvia den jungen Mann in liebender Bewunderung. Sie hatte nie zuvor jemand so Bezauberndes und Entzückendes gesehen; das Herz der Frau, das in dem Kind schlief, war zart von einem Liebestraum erregt. Eine Vorahnung dieser großen Macht bewegte und lenkte diese jungen Waldbewohner, die die düsteren Wälder mit sanftfüßiger stiller Umsicht durchzogen. Sie hielten an, um dem Lied eines Vogels zu lauschen; sie drängten eifrig vorwärts, die Äste auseinander biegend, -- selten miteinander sprechend und flüsternd; der junge Mann ging voraus, Sylvia folgte fasziniert ein paar Schritte dahinter, ihre grauen Augen dunkel vor Aufregung.

Sie war bekümmert, denn der ersehnte Schmuckreiher wich ihnen aus, aber sie führte den Besucher nicht, sie folgte nur, und als Erste zu sprechen, kam nicht in Betracht. Das Geräusch ihrer eigenen ungebetenen Stimme hätte sie erschreckt, -- es war schwer genug, mit ja oder nein zu antworten, wenn es sein musste. Schließlich setzte der Abend ein, und gemeinsam trieben sie die Kuh nach Hause, und Sylvia lächelte vor Freude, als sie an die Stelle kamen, wo sie nur einen Abend zuvor den Pfiff gehört und sich gefürchtet hatte.

II.

Eine halbe Meile vom Haus entfernt am gegenüberliegenden Rand der Wälder, dort wo das Land am höchsten lag, stand eine große Pinie, die letzte ihrer Generation. Ob sie als Grenzmarke oder aus einem anderen Grund stehengelassen worden war, konnte niemand sagen; die Holzfäller, die ihre Kameraden gefällt hatten, waren tot und vor langer Zeit gegangen, und ein ganzer Wald aus kräftigen Bäumen, Pinien und Eichen und Ahorn, war seither wieder gewachsen. Aber die stattliche Krone der alten Pinie überragte alles und bildete über viele Meilen eine Landmarke für Meer und Küste. Sylvia kannte sie gut. Sie hatte immer geglaubt, dass, wer immer in die Spitze kletterte, den Ozean sehen konnte; und das kleine Mädchen hatte oft seine Hand auf den großen rauen Stamm gelegt und sehnsüchtig in die dunklen Äste hinaufgeschaut, die der Wind stetig bewegte, unabhängig davon, wie heiß oder still die Luft unten war. Nun dachte sie mit einer neuen Erregung an den Baum, denn warum sollte man, wenn man bei Tagesanbruch auf den Baum kletterte, nicht die ganze Welt sehen und leicht entdecken können, wohin der Schmuckreiher flog, und die Stelle markieren und das verborgene Nest finden?

Welch Abenteuergeist, welch wilde Ambition! Welch Vorstellung von Triumph und Freude und Ruhm für den späteren Morgen, wenn sie das Geheimnis bekannt geben könnte! Es war beinahe zu wirklich und zu groß für ihr kindliches Herz, um es zu ertragen.

Die ganze Nacht stand die Tür des kleinen Hauses offen, und die Schreienden Ziegenmelker kamen und sangen auf der Stufe. Der junge Sportsmann und seine alte Gastgeberin schliefen tief, aber Sylvias großer Plan hielt sie hellwach und aufmerksam. Sie vergaß, an Schlaf zu denken. Die kurze Sommernacht schien so lang wie die Winterdunkelheit zu sein, und schließlich, als die Schreienden Ziegenmelker zu Singen aufhörten und sie befürchtete, der Morgen würde trotz alledem zu schnell kommen, stahl sie sich aus dem Haus und folgte dem Wiesenpfad durch die Wälder, jenseits zum offenen Gelände eilend, mit einem Gespür für Trost und Gemeinschaft dem Zwitschern eines halbwachen Vogels lauschend, dessen Schlafplatz sie beim Vorbeigehen erschüttert hatte. Ach, wenn die große Welle des menschlichen Aspekts, die erstmals dieses langweilige kleine Leben überflutete, die Zufriedenheiten einer Existenz, Herz an Herz mit der Natur und dem schweigsamen Leben des Waldes, hinwegfegen sollte!

Da war der riesige Baum, der noch im fahlen Mondlicht schlief, und die kleine und hoffnungsvolle Sylvia begann mit äußerster Tapferkeit in die Krone hinaufzusteigen, mit brennendem, ungeduldigem Blut durch die Kanäle ihres ganzen Körpers jagend, mit bloßen Füßen und Fingern, die sich wie Vogelklauen an der monströsen Leiter, die nach oben führte, festkrallten und festhielten, höher und höher, beinahe in den Himmel selbst. Zuerst musste sie die weiße Eiche hinaufklettern, die daneben wuchs, wo sie beinahe in den dunklen Ästen und grünen Blättern, die schwer und nass vom Tau waren, verloren ging; ein Vogel flatterte von seinem Nest hoch, und ein Eichhörnchen lief hin und her und schimpfte gereizt auf den harmlosen Einbrecher. Sylvia ertastete sich leicht ihren Weg. Sie war dort oft geklettert und wusste, dass weiter oben einer der oberen Äste der Eiche gegen den Pinienstamm rieb, genau da, wo deren untere Äste eng beieinander standen. Dort würde, wenn sie den gefährlichen Weg vom einen Baum zum anderen genommen hatte, das große Abenteuer wirklich beginnen.

Endlich kroch sie den schwankenden Hauptast der Eiche entlang und machte den wagemutigen Schritt hinüber auf die alte Pinie. Der Weg war schwerer als gedacht; sie musste sich weit strecken und kräftig festhalten, die scharfen trockenen Zweige hielten sie wie eine wütende Kralle fest und zerkratzten sie, das Harz ließ ihre dünnen kleinen Hände ungeschickt und steif werden, als sie um den dicken Stamm des Baumes herum und herum kletterte, höher und höher hinauf. Die Spatzen und Rotkehlchen in den Bäumen darunter begannen in der Dämmerung zu erwachen und zu zwitschern, doch hoch oben in der Pinie erschien es viel heller, und das Kind wusste, dass es sich beeilen musste, wenn sein Vorhaben von irgendeinem Nutzen sein sollte.

Der Baum schien von sich aus länger zu werden, als sie hochkletterte, und sich weiter und weiter nach oben zu erstrecken. Er war wie der große Hauptmast einer reisenden Erde; an diesem Morgen musste er mit seiner ganzen schwerfälligen Gestalt wirklich überrascht gewesen sein, als er fühlte, wie dieser entschlossene Funke menschlichen Geistes sich seinen Weg von Ast zu Ast nach oben erkroch und erkletterte. Wer weiß, wie stark sich die kleinsten Zweige machten, um dieser leichten, schwachen Kreatur auf ihrem Weg zu helfen! Die alte Pinie muss seine neue Abhängige geliebt haben. Mehr als all die Habichte und Fledermäuse und Motten und selbst die Drosseln mit ihren süßen Stimmen war das tapfere, schlagende Herz des einsamen grauäugigen Kindes. Und der Baum stand still und hielt die Winde an diesem Junimorgen fern, während im Osten die ersten Strahlen der Morgendämmerung schienen.

Sylvias Gesicht war wie ein bleicher Stern, wenn man es vom Boden aus gesehen hätte, als der letzte dornige Ast hinter ihr lag und sie zitternd und müde, aber ganz triumphierend hoch oben im Baumwipfel stand. Ja, da war das Meer mit der aufgehenden Sonne, die ihren goldenen Glanz darüber ausbreitete, und zwei Habichte flogen mit langsamen Bewegungen ihrer Schwingen in den glänzenden Osten. Wie tief sie aus dieser Höhe zu fliegen schienen, wenn man sie vorher nur hoch oben und dunkel gegen den blauen Himmel gesehen hatte. Ihre grauen Federn waren so weich wie Motten; sie schienen nur wenig entfernt von dem Baum zu sein, und Sylvia fühlte sich, als ob auch sie in die Wolken hinein fliegen könnte. Im Westen reichten die Wälder und Bauernhöfe Meilen um Meilen in die Ferne; hier und da waren Kirchtürme und weiße Dörfer; wirklich, es war eine weite und ehrfurchtgebietende Welt.

Die Vögel sangen lauter und lauter. Schließlich ging die Sonne mit verwirrender Helligkeit auf. Sylvia konnte die weißen Segel der Schiffe draußen auf dem Meer sehen, und die Wolken, die zunächst purpurn und rosenfarben und gelb waren, begannen sich aufzulösen.  Wo in dem See aus grünen Zweigen war das Nest des Schmuckreihers, und war dieser wundervolle Anblick und Prunk der Welt die einzige Belohnung dafür, in solch schwindelige Höhen geklettert zu sein? Sieh nun wieder herunter, Sylvia, wo der grüne Sumpf an die leuchtenden Birken und dunklen Hemlocktannen grenzt; dort, wo du den Schmuckreiher einmal gesehen hast, wirst du ihn wieder sehen; sieh hin, sieh hin! ein weißer Punkt von ihm wie eine einzelne fließende Feder steigt von der toten Hemlocktanne nach oben auf und wird größer und steigt und kommt endlich näher und fliegt mit stetigem Flügelschlag und ausgestrecktem schlankem Hals und gekröntem Kopf an der Pinie vorbei, die als Landmarke dient. Und warte! Warte! Rühr keinen Fuß oder Finger, kleines Mädchen, schicke mit deinen wissbegierigen Augen keinen Pfeil aus Licht und Wissen, denn der Reiher hat sich auf einen Pinienast nicht weit unter dem deinen gesetzt und ruft seinem Partner auf dem Nest zu und putzt sich das Gefieder für den neuen Tag!

Eine Minute später gibt das Kind einen langen Seufzer von sich, als eine Gesellschaft rufender Spottdrosseln sich ebenfalls auf dem Baum niederlässt und der ernste Reiher, verärgert von ihrem Geflatter und ihrer Zügellosigkeit, fortfliegt. Sie kennt nun sein Geheimnis, das des wilden, leichten, schlanken Vogels, der schwebt und schwankt, und auf einmal wie ein Pfeil zu seinem Heim unten in die grüne Welt zurückkehrt. Dann begibt sich Sylvia sehr zufrieden wieder auf ihren gefährlichen Weg nach unten, wobei sie es nicht wagt, viel tiefer hinunterzusehen als zu dem Ast, auf dem sie steht, und bisweilen kurz davor ist zu weinen, weil ihre Finger schmerzen und ihre lahmen Füße abrutschen. Sie fragt sich immer wieder, was der Fremde zu ihr sagen und was er denken würde, wenn sie ihm erzählte, wie er seinen Weg zum Nest des Reihers fände.

,,Sylvy, Sylvy!" ruft die geschäftige alte Großmutter wieder und wieder, aber niemand antwortete, und das kleine Bett aus Maishülsen war leer, und Sylvia war verschwunden.

Der Besucher erwachte aus einem Traum, und sich an das Vergnügen des Tages erinnernd, beeilte er sich mit dem Ankleiden, damit es schneller beginnen würde. Er war sich wegen der Art, wie das kleine Mädchen gestern einmal oder zweimal geschaut hatte, sicher, dass es den Schmuckreiher zumindest gesehen hatte, und nun musste sie unbedingt zum Erzählen überredet werden. Da kommt sie nun, blasser als sonst, und ihr abgenutzter alter Rock ist zerrissen und ruiniert und mit Pinienharz verschmiert. Die Großmutter und der Sportsmann stehen gemeinsam im Eingang und befragen sie, und der großartige Moment ist gekommen, von der toten Hemlocktanne an dem grünen Sumpf zu sprechen.

Doch nach alldem spricht Sylvia nicht, obgleich ihre alte Großmutter sie verärgert tadelt und die freundlichen, eindringlich bittenden Augen des jungen Mannes geradewegs in die ihren schauen. Er kann sie beide mit Geld reich machen; er hat es versprochen, und jetzt sind sie arm. Er ist es so sehr wert, glücklich gemacht zu werden, und er wartet darauf, die Geschichte zu hören, die sie erzählen kann.

Nein, sie muss Stillschweigen bewahren! Was ist es, das ihr dies plötzlich verbietet und sie verstummen lässt? Ist sie neun Jahre lang herangewachsen, und jetzt, wo die große Welt ihr zum ersten Mal eine Hand ausstreckt, muss sie sie eines Vogels wegen wegstoßen? Das Gemurmel der grünen Pinienzweige ist in ihren Ohren, sie erinnert sich, wie der Schmuckreiher durch die goldene Luft fliegt und wie sie beide gemeinsam das Meer und den Morgen beobachten, und Sylvia kann nicht sprechen; sie kann des Reihers Geheimnis nicht erzählen und sein Leben weggeben.

Die liebe Loyalität, die einen schweren Schlag erlitt, als der Gast später am Tag enttäuscht wegging, die ihm hätte dienen und folgen und lieben können, so wie ein Hund liebt! So manchen Abend hörte Sylvia das Echo seines Pfiffs auf dem Wiesenpfad spuken, wenn sie mit der trödelnden Kuh nach Hause ging. Sie vergaß sogar ihre Trauer über den jähen Knall seines Gewehres und den bemitleidenswerten Anblick der Drosseln und Spatzen, die leise zu Boden fielen, ihre Lieder verstummt, ihr schönes Gefieder befleckt und nass von Blut. Waren die Vögel bessere Freunde als ihr Jäger es vielleicht gewesen wäre, -- wer kann das sagen? Welche Schätze auch immer für sie verloren waren, Wälder und Sommerzeit, erinnert daran! Bringt eure Gaben und Reize und erzählt diesem einsamen Landkind eure Geheimnisse!
 


 
Translator's Essay [German / PDF]
Copyright © Federwelt
Reprinted by permission.
In search of the Opodildack
About some tricks of translation

written and translated*
by
Almut Oetjen

An American story about an investment adviser in times of financial crisis mentions the word "interest." The German translator uses the word "Interesse." Basically, "Interesse" is a correct translation, but in this case it is a wrongly chosen term. The story hints at the economic price, which is "Zins." Certainly, this is a trivial example. Of course, experienced translators know which one of several possible German expressions makes sense, though an online translation machine might well get it wrong.

General

Nonfictional texts, with emphasis on content and a transparent style, are easiest to translate. Belle lettres, however, make special aesthetic demands of form and style. Subtle and allusive  texts pose more difficulties; the translation of lyrics is most difficult.

"The English novel reads fluidly." "I like this Spanish author's style."   One often reads such statements about German translations.  But such praise is directed to the wrong address, for it speaks of the translator's, not the author's style. A translator can transform a yawn into a page-turner or render an elegant, complex text clumsy and trivial. Ideally, the translator recognizes and recreates the original tone by making the right choices of expression and phrasing.

"An accurate translation." That's also a statement used often to praise a translation. But a coherent text may appear accurate, because it makes sense, even if  "four" is translated as "fünf" [five] or "one billion" as "eine Billion" [a trillion in U.S. English]. A translation can appear accurate, even if the translator eliminates or simplifies complexities. The translator may reduce the activities in an emergency room,  -- which in the original comes in two pages of technical terminology -- to a few lines, without readers noticing. A good translation must be truly accurate, conveying the content correctly and completely, as well as reflecting the original's aesthetics.

Specific

It is easier to translate educated standard language than dialect, spoken language, colloquial language, or a special communication code, like the one developed in the banlieues, the Paris satellite colonies. For example: The banlieue-phrase madine chocotte lande, which derives from Made in Scotland, does mean "Hergestellt in Schottland" as well as "Angst haben" (in French avoir les chocottes) [to be afraid]. It's a very dynamic code. People of the banlieues are using it to demark a separation between themselves and middle-class society, defining their own social affiliation; and they are constantly developing it further. Whoever wants to understand the allusions of French migrants' rap music or wants to translate rap lyrics has to take into account the song's time of origin.

The aspect of time dependency applies to texts in general.  As new words and usages enter a language, so they also depart, and as they grow out of fashion or change their meaning, we understand them less well. Eichborn publisher's new Germanization of Grimmelshausen may be a wonderful example. Words die out, because the signified doesn't exist anymore, e.g., the regional name of a species of tree which died out in the word's region of origin, or the name of an animal species which migrated from its habitat.  In the case of such a plant or animal,  a "circular" transformation may help:

a: finding the word in a technical dictionary from the specific period, to learn its scientific name;
b) finding the scientific name in a recent dictionary, to learn the modern name of the plant.
In addition, a growing cultural distance makes it more difficult to provide adequate expressions for philosophical terms that name values.
The example of Sarah Orne Jewett

Sarah Orne Jewett (1849-1909), contemporary of Mark Twain and friend of Henry James, Rudyard Kipling and Harriet Beecher Stowe, is considered as one of the most important female writers of New England. In her many stories she powerfully and vividly depicts the late 19th-century New England landscape and social and cultural life, in all its ordinariness and peculiarities. Her best known works are the short story "A White Heron" (1886) and the novel The Country of the Pointed Firs (1896).

Spoken language

Often, Jewett's stories are about "uneducated" working class, rural people, who use localized pronunciations in their speech, represented by altered spellings (not to be mistaken for colloquial speech or dialect). To render these regional distinctions, a translation has to take into account these special qualities.

Jewett doesn't use colloquial language or dialect.  She seldom introduces characters like those in "The Dulham Ladies," a French shop owner speaking with an accent, and the Dobin sisters who communicate in standard English. Often the protagonist is a captain's widow, farmer's wife, or a woman who owns a small piece of land or a small cottage and earns money on the side by sewing or other domestic work. As there is no English-German dictionary for regional pronunciations, the translator has to render the spoken language into educated standard language first, before translating it into an adequate form of spoken language.

She's well able to hire somebody, Esther is; but there, you can't find no hired man that wants to git up before five o'clock nowadays; 'tain't as 'twas in my time. ("A Dunnet Shepherdess")
As the above example shows, it's typical in New England regional speech to contract words by swallowing vowels ('tain't = it ain't and 'twas = it was), to use the double negative (you can't find no hired man), and add post-modifiers (Esther is). The word git isn't a misprint but indicates local pronunciation of get.
The German translation may look like this: Sie könnt sehr wohl jemand bezahl'n, das könnt Esther; nun ja, aber heutzutag kriegt man keinen Helfer nich', der vor fünf Uhr morgens aufstehen will; 's ist nicht mehr wie zu meiner Zeit.
When translating English into German, it may also be possible to use indicative mood (or wrong subjunctive mood) instead of subjunctive mood, especially in indirect speech:
My gran'ther was to the South Seas in his young days [. . .] an' he said cussin' was common there. ("In Dark New England Days")
"Mein Großvater ist in seinen jungen Jahren in der Südsee gewesen, [. . .] und er hat gesagt, dort war das Fluchen üblich."
Or one chooses present tense instead of future tense, and present perfect instead of past tense:
I never wanted for pa'tridges or gray squer'ls while he was to home. He's been a great wand'rer, I expect, and he's no hand to write letters. ("A White Heron")
"Mir hat's nie an Rebhühnern oder Grauhörnchen gefehlt, als er noch zu Haus gewesen is'. Er is'n guter Wand'rer gewesen, schätz ich, und er hat kein Händchen fürs Briefeschreiben."
Spoken language follows spontaneous dynamics and not the rules of standard language, thus making the characters realistic and defining their regional origin and social differences. The translator has to decide to what extent he wants to use spoken language without proceeding schematically.
Words like wand'rer or pa'tridges are easier to reconstruct, as only one letter is missing, e and r, words like 'tain't are used frequently, but an expression like cramb'ries ("An Only Son") or squer'ls  may appear seldom or only once, and thus it took some time before I could assign the second word to squirrels by trying different pronunciations. In the first draft I translated gray squer'ls as "graue Eichhörnchen," until my Großwörterbuch gave me the name "Grauhörnchen." German Zoologist Bernard Grzimek mentions in his encyclopaedia "Grzimeks Tierleben" that Grauhörnchen are bigger than red squirrels, which explains, why they are a kill worth mentioning.
Dead words

Translating a text becomes more difficult, when the word has died out, as for instance, opodildack ("Law Lane"). My usual sources were of no help.  The speaker was a character who used onlyspoken language; there had to be an educated standard language expression sounding similarly, for example opodeldoc, which I found in the Oxford English Dictionary (OED), where it was defined as a healing ointment, consisting of several ingredients, among them opium, alcohol, and camphor. Neither my English dictionary nor the internet gave me a German expression for opodeldoc. But the Duden Fremdwörterbuch lists the word Opodeldok, explaining it to be an ointment against swellings, growths, gouty concretions, and indurations, developed by Paracelsus and based on camphor. This explanation mainly corresponds with the one given by the OED. Translating opodildack caused two problems: discovering what it was and rendering a word no longer used.

Naturally, temporal distance is the second special quality of Jewett's texts. During the last hundred years some phrases and words have died out or become rarely used. This is true especially for words from fauna, flora, and the art of healing, as for instance opodeldoc, white heron ("A White Heron"), witch-grass ("Law Lane") and choke-pear ("An Only Son"). None of these words is listed in my Großwörterbuch. Again, Grzimek helped me to find the German word for white heron, Schmuckreiher (lat. Egretta thula). The unabridged Webster's of 1913 gave me the botanic name of witch-grass, Panicum capillare, leading me to today's expression Rispenhirse or haarästige Hirse. Grimm (German dictionary, edited by Jacob Grimm and Wilhelm Grimm) helped me with choke-pear, for it lists Würgbirne or Würgbirn (lat. Pirus vinifera), an extinct sort of perry pear with a rough, astringent effect causing retching reflexes. This explanation corresponded contextually, there were no other possibilities, and it is no less than the verbatim translation of choke-pear.

Some translators may imagine themselves as the Sherlock Holmes or the Miss Marple of words; others at times see themselves as fusspots. Certainly, above all, their investigations require a great willingness to persist against all hope and the ability to tolerate patiently those seemingly small irritations, the "Hausmilbe" (lat. Glyziphagus domesticus), [house mite].

These are the qualities that led me to persist in solving the mystery of the cramb'ries ("An Only Son"): a local pronunciation of cranberries, "Kranbeeren" in German.


*Translation of "Auf der Suche nach dem Opodildack." Federwelt -- Zeitschrift für Autorinnen und Autoren. Nr. 83, Heft 4, August/September 2010, S.13-15. The German original is reprinted by permission.  This translation is a slightly revised version of the original text.


Formatted by Terry Heller, Coe College

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